Ahr-Fahrradtour 2009


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Im Mai 2009 verabredeten wir uns mit einigen Arbeitskollegen zu einer Fahrradtour entlang der Ahr. Ich habe die Tour hier in einer kurzen bebilderten Geschichte zusammengefasst.

Zuerst eine kleine geografisch-geschichtliche Einweisung: Die Eifel ist ein Mittelgebirge vulkanischen Ursprungs in Nordrhein-Westfalen am westlichen Rand Deutschlands. Die Ahr entspringt in Blankenheim im Herzen der Eifel und mäandert in aller Seelenruhe in Richtung Rhein. In diesen mündet sie dann im malerischen Sinzig knapp unter Remagen kurz über Koblenz. Geradezu nervtötend malerisch ist auch der ganze Rest dazwischen. Total unmalerische Fakten dazu hält - natürlich - die deutsche Wikipedia bereit. Für die, die jetzt immer noch nicht wissen, wovon die Rede ist, hier das unvermeidliche Kartenmaterial:

Natürlich zeigt die letzte der drei Karten die Daten des mitgeführten GPS-Loggers - wir fuhren ja nicht völlig unvorbereitet los. Das was da blau ist - da waren wir wirklich. Der GPS-Satellit hat uns gesehen und kann's bezeugen!

Hier nun also unsere überaus erholsame und malerische Tour in Bildern, bei der es den Versprechen unseres Planers zufolge garantiert niemals bergauf ging, weil Flüsse ja wohl immer bergab fliessen und weil die Eifel überhaupt eher flach angelegt ist. Sollte ein Foto dennoch den Eindruck einer Steigung vermitteln, ist das also eine optische Täuschung. Oder das Gehirn ist aufgrund der malerischen Landschaft im Hintergrund irritiert.

Zuerst: Die Protagonisten (6 erstaunlich schöne Menschen in alphabetischer Reihenfolge).

Andreas, Jörg, Joachim, Lukas, Simon und Tilli:

Und nun: Die Story

Da die Tour an der Ahrquelle starten sollte, wir uns aber eher in Köln oder Bonn aufhielten, begann das Abenteuer mit einer Zugfahrt über Euskirchen nach Blankenheim (Wald). Da uns unser überaus generöser öffentlich-rechtlicher Arbeitgeber ein Jobticket mitfinanziert, konnten wir kostenlos nach Blankenheim reisen und haben das gesparte Geld in ein paar Erfrischungen investiert. An den Fenstern des Waggons vorbei zogen gar malerische Ortschaften mit geradezu märchenhaften Namen wie "Kuchenheim" oder "Kreuzweingarten". Das bereitete uns nicht nur Appetit, sondern auch einen gehörigen Durst, den wir gleich mit unseren ersten Erfrischungen stillten.

Aber - welch Wehklagen erscholl, als wir den Zug an der Zielstation verliessen: Wir wurden von einem typischen, überhaupt nicht malerischen Eifeler Landregen erwartet. Am Bahnsteig haben wir also zuerst einmal eine regenfeste Montur anlegen müssen. Um die Laune nicht zu sehr sinken zu lassen, gönnten wir uns dabei eine kleine Erfrischung
Die Lage verbesserte sich auf der Fahrt nach Blankenheim zur Ahrquelle nicht im geringsten. Der Regen hielt nicht nur an, sondern wurde geradzu impertinent und empfindsame Gemüter hatten obendrein den Eindruck, wir führen die ganze Zeit bergauf. Blankenheim selbst war wahrscheinlich unglaublich malerisch, was wir aber nicht recht registrierten, weil wir unsere Augen aufgrund des uns entgegenpeitschenden Regens meist geschlosssen hatten. Die Ahrquelle hatte um diese gottlose Zeit auch noch geschlossen. Der Quellenbetreiber war wahrscheinlich gerade im Chemikalien-Großhandel, um Ammonium, Magnesium und Nitrat für die Sonntags-Einspeisung ins Ahrwasser zu besorgen.
Hinter Blankenheim war die Suche nach der Ahr die erste große geistige Herausforderung und die erste Bergabfahrt die erste große Erleichterung. Wir waren dermaßen erleichtert, nicht nur die Ahr, sondern auch ein befahrbares Gefälle gefunden zu haben, dass wir spontan eine Rast einlegten. Und siehe da - unsere Stahlrösser hatten kaum festen Stand gefunden, da blinzelte der erste Sonnenstrahl durch die bleischwere Wolkendecke. Ein willkommener Anlass für eine kleine Erfrischung und das Ablegen der regenfesten Armierung.
Anschließend wurden hochmotiviert Kilometer gefressen und die Erkenntnis gewonnen, dass die Eifel vielleicht flach angelegt sein mochte, aber in den paar tausend Jahren danach irgendwie "wellig" geworden war. Zeit also für eine kleine Erfrischung in gar malerischer Umgebung. Die Laune der Protagonisten stieg unterdessen unaufhaltsam.
Die Gelegenheit wurde genutzt, nicht nur den Vorrat an Erfrischungen zu dezimieren, sondern sich auch das mitgebrachte Früstück in Form einer unvergleichlichen Zusammenstellung aus Mettwürsten, Käsestangen und eingelegten Aprikosen einzuverleiben.
Gut, dass noch ein kleiner Sicherheitsvorrat an Erfrischungsgetränken bereit stand. Und gut, dass der Designer der Erfrischungsgetränkflasche daran gedacht hat, dass sich diese geradezu nahtlos in die unglaublich malerische Landschaft dahinter einfügt.
Beschwingt wurde die Fahrt nach dem kleinen Frühstück fortgesetzt. Die Erkenntnis, dass wir durch keine Macht der Welt daran zu hindern waren, unser fernes aber hehres Ziel zu erreichen, setzte sich in unseren Köpfen fest - dementsprechend stieg die Laune weiter an.
Auch der steilste Anstieg vermochte unsere gute Stimmung nicht zu dämpfen. Diesen lächerlichen Berg nahmen wir fröhliche Lieder singend im vorletzten Gang.
Oben angekommen, genossen wir den malerischen Ausblick mit einer ersten kleinen Erfrischung vom Fass. In diesem Biergarten wurden wir zu noch recht früher Sonntagsstunde nicht gerade mit Fanfaren empfangen - aber immerhin mit einem frisch gezapften Bier, welches sträflicherweise nicht aus der nahegelegenen Eifeler Brauerei stammte. Uns hat's allerdings nicht so sehr gekümmert.
Der Vorschlag von Tilli, die Zeit zu nutzen, um eine Formel für die Gewinnung von Gold aus Blei zu finden, wurde auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Statt dessen machten wir uns Gedanken um das Fortbestehen der abendländischen Gesellschaft. Im Bild sieht man Simon bei einem engagierten Vortrag über die Bedeutung des freien Wettbewerbs auf dem Erfrischungsgetränkemarkt, welcher von Jörg mit einem überaus wohlwollendem Blick goutiert wird.
Nach den üblichen Geplänkeln über Weltmärkte, Weltwirtschaft und Weltherrschft bestiegen wir wohl erfrischt erneut unsere Drahtmaultiere und nahmen Fahrt in Richtung Rhein auf - durch eine wahrhaft malerische Landschaft, die sich an dieser Stelle auch tatsächlich bergab neigte.
Wir ließen uns durch nichts auf unserem Weg aufhalten - nicht Gott und Teufel hätten uns von unserem Weg abbringen oder unser Streben unterbrechen können. Lediglich eine andere Radfahrergruppe ließ uns halten - die Trottel hatten eine Panne, aber kein passendes Werkzeug dabei. Nachdem wir Gutmenschen ihr minderwertiges Material wieder in einen funktionstüchtigen Zustand gebracht und eine kleine Erfrischung zu uns genmommen hatten, setzten wir unseren malerischen Weg unaufhaltsam fort.
Zwischenzeitlich verloren wir uns gar kurz aus den Augen. Obwohl es in der Eifel eigentlich gar keine Berge gibt, legten wir an einigen gefühlt mörderischen Anstiegen eine sehr unterschiedliche Performanz an den Tag. Irgendwann kam uns der dabei verlorene Sohn aber aus der Gegenrichtung entgegen - der festen Meinung, immer den rechten Weg gefahren zu sein. Dies war uns Anlass genug, in gar malerischer Umgebung eine kleine Rast einzulegen und unseren Vorrat an Erfrischungen zu dezimieren.
Vorbei ging's - man errät es kaum - weiter an malerischer Landschaft und durch ebenso malerische Dörfer mit gar geschichtsträchtigen Gebäuden wie diesem phallusartigen Ahrweilerer Stadttor..
Diese schwer zu verarbeitende, geballte Ladung an Eindrücken ließ uns bald die nächste Ruhepause einlegen. Eine kleine Eckkneipe in irgendeinem unsäglich malerischen Eifeldorf bot direkt am Wegesrand frischgezapfte Erfrischungsgetränke feil - wer hätte da "nein" sagen können? Also fröhlich eingekehrt und die Wirtin um ein Foto gebeten..
..und jetzt mal alle lächeln!
Lukas hat die Aufforderung zum "Lächeln" wohl als Aufforderung zum "Picheln" verstanden, aber sei's drum. Selbst böswillig eingerichtete Umleitungen konnten uns nicht vom Weg abbringen. Wir lachten der Gefahr einfach ins Gesicht und ignorierten dieselbe mit einer so unvergleichlichen wie siegessicheren Nonchalance. Unser Weg war nun einmal vorbestimmt.
Zwischenzeitlich sinnierten wir über die Wunder der Natur, die aus einem zuerst so mickrigen Pinkelbächlein einen schon recht beeidruckenden Fluss werden lassen. Wir beschlossen, eine Weile lang zu prüfen, ob an dieser Stelle der Ahr eventuell schon Frachtschifffahrt zu beobachten wäre. Letztendlich konnten wir aber nur gefühlte 10 Millionen Enten und ein paar verirrte Reiher beobachten. Außerdem machten wir uns Gedanken darüber, ob die zu beobachtenden Wassermassen tatsächlich durch Naturwunder..
..oder aber durch unseren bis dahin nicht unerheblichen Harndrang flussaufwärts zu begründen seien.
Die Beobachtungszeit verkürzten wir mit einer spontan erworbenen Erfrischung.
Aber - es nützte nichts: Unsere stählernen Rösser gefielen sich währenddessen zwar im matten Sonnenglanz, harrten aber doch der Weiterfahrt.
Also - frohen Mutes in den Sattel geschwungen und beherzt die nächste Steigung genommen, die es in der Eifel ja eigentlich gar nicht gibt. Bei der Steigung auf dem Foto handelt es sich ebenso um eine optische Täuschung, wie bei dem Eindruck, dass Jörg sein Fahrrad schiebt. Der durch die vorgerückte Stunde bedingte schräge und leicht diffuse Lichteinfall lässt Jörg auf dem Bild erstaunlicherweise neben seinem Fahrrad erscheinen. Verblüffend, nicht wahr? In Wirklichkeit schieben richtige Männer natürlich niemals ihr Fahrrad.
Die Gelegenheit war günstig für ein kurzes Verweilen, ebenso wie die malerisch am Wegesrand aufgestellte Parkbank. Während die Sieger dieser Bergwertung bereits die geschundenen Beine entspannten, kramte der Rest emsig die verbleibenden Vorräte an Erfrischungsgetränken aus den Packtaschen hervor.
Die Verschnaufpause wurde genutzt, um den üblichen Verrichtungen nachzugehen: Jörg versucht sich vorzustellen, wie schön ein Leben ohne Gesäß sein könnte, Andreas telefoniert mit Karin, Joachim kalibriert seinen GPS-Logger und der Rest kalibriert den Flüssigkeitsstand in diversen Getränkebehältern.
Inzwischen war nicht nur die Gegend fast unerträglich malerisch, sondern auch der Himmel schien von einem durchgeknallten Farbfreak auf einem schweren LSD-Trip angemalt worden zu sein. Vor diesem grandiosen Hintergrund ließ sich gar trefflich ein Bierchen zwitschern..
..oder zwei..
..oder drei.
So wie die Sonne langsam am Horizont zu knabbern begann und der Tag sich unaufhaltsam gen Abend neigte, erreichten wir ebenso unaufhaltsam den alten Vater Rhein - da mündet die Ahr ja rhein - ääh rein - und damit den letzten Abschnitt unserer kleinen Reise. Um sich in der Dämmerung nicht aus den Augen zu verlieren, bildeten Andreas und Joachim zur Sicherheit eine Kette.
Schließlich tauchte vor unseren Augen die berühmte Brücke von Remagen auf - oder das, was die verd*** Alliierten davon übrig ließen. Diese markierte das Ziel unserer Fahrradtour, denn in Remagen stiegen wir wieder auf die Bundesbahn um.
Die Wartezeit bis zur Abfahrt des nächsten Zuges nach Bonn nutzten wir zu einem letzten Intermezzo mit einer Runde Erfrischungen. Joachim hatte seinen GPS-Logger heruntergefahren und langweilte sich darum ein wenig, Andreas verrichtete sein übliches Telefonat mit Karin. Der Rest erzählte sich allerhand lustige Sachen.
Selbst während der Bahnfahrt nach Bonn sank die Stimmung nicht unter den Siedepunkt. Auch Andreas konnte mangels Netz noch ein paar seiner trefflichen und allseits beliebten Kalauer raushauen.
Am Bonner Hauptbahnhof trennten sich dann unsere Wege. Joachim und Jörg fuhren weiter nach Köln und der Rest nahm in der Bahnhofsschenke noch einen letzten Absacker zu sich. Man nahm sich vor, schon bald einen ähnlichen Ausflug in eine ähnlich malerische Gegend mit ähnlich nicht vorhandenen Steigungen zu unternehmen und verabschiedete sich mit den üblichen männlichen Abschiedsritualen ("Tschüs!") voneinander. Unsere Ahr-Fahrradtour 2009 war hier zu..

Stand: 05.02.2016 zum Seitenanfang zur übergeordneten Seite zur p.i.c.s.-Startseite eMail an Simon Reinhardt senden Copyright © 2016 Simon Reinhardt